Häsch dini Periode?

Ein Bericht von Elena Mautz

Periode. Menstruation. Zwei Wörter, die selten, klar und ohne Verschlüsselung in unserem Wortschatz vorkommen. Es gibt rund 5000 Umschreibungen für das Wort Periode. [1] Doch was macht diese zwei Wörter so schmutzig und schamvoll, dass wir sie nicht aussprechen wollen? Dieses Thema wird in der Schweiz nicht gerne besprochen, falls es überhaupt in Gesprächen auftaucht, wird meist schnellstmöglich der Gesprächsinhalt gewechselt. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass wir kaum Kenntnisse davon haben, wie andere Frauen ausserhalb unseres Landes mit diesem Thema umgehen. In diversen anderen Ländern erleben die Frauen ihre Menstruation deutlich invasiver als in unserer westlichen Zivilisation. Die Frauen in Nepal zum Beispiel werden während ihrer Periode weggesperrt, in einigen Ländern haben mehr als die Hälfte aller Schulen keinen Zugang zu sanitären Anlagen, zudem sind konventionelle Menstruationsartikel in diversen Ländern für die Frauen schlichtweg unerschwinglich.

Zur Person:

Elena Mautz ist 18 Jahre alt und schreibt ihre Maturaarbeit über das Tabuthema Menstruation. Besuchen kannst du sie auch auf ihrem persönlichen Blog über das Thema:

Periode. Menstruation. Zwei Wörter, die selten, klar und ohne Verschlüsselung in unserem Wortschatz vorkommen. Es gibt rund 5000 Umschreibungen für das Wort Periode. [1] Doch was macht diese zwei Wörter so schmutzig und schamvoll, dass wir sie nicht aussprechen wollen? Dieses Thema wird in der Schweiz nicht gerne besprochen, falls es überhaupt in Gesprächen auftaucht, wird meist schnellstmöglich der Gesprächsinhalt gewechselt. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass wir kaum Kenntnisse davon haben, wie andere Frauen ausserhalb unseres Landes mit diesem Thema umgehen. In diversen anderen Ländern erleben die Frauen ihre Menstruation deutlich invasiver als in unserer westlichen Zivilisation. Die Frauen in Nepal zum Beispiel werden während ihrer Periode weggesperrt, in einigen Ländern haben mehr als die Hälfte aller Schulen keinen Zugang zu sanitären Anlagen, zudem sind konventionelle Menstruationsartikel in diversen Ländern für die Frauen schlichtweg unerschwinglich.

Die Fakten

Pro Tag bekommen schätzungsweise 300 Millionen Frauen und Mädchen ihr Tage.[2] Man rechnet mit etwa 2000-4000 Franken, die eine Frau in ihrem Leben für Menstruationsprodukte ausgibt. Diese Zahl kann je nach Periodenstärke und dem bevorzugten Menstruationsprodukt stark variieren.

Zu Bluten ist teuer und beeinträchtigt die Ausbildung von jungen Frauen. Weltweit haben nur etwa 66 Prozent der Schulen sanitäre Anlagen.[3] Das bedeutet, dass rund 900 Millionen Kinder[4] an ihrer Schule keinen Zugang zu sanitären Anlagen haben. Nehmen wir an, dass ein Viertel dieser 900 Millionen Kinder menstruierende Mädchen sind, so kommt man auf 225 Millionen junger Frauen, welche keine Möglichkeit haben, ihre Menstruationsprodukte in der Schule zu wechseln.

In Tansania haben nur 11% der Schulen eine ausreichende Zahl an Toiletten, und gerade mal die Hälfte ist mit fliessendem Wasser versorgt.[5] In Nigeria steht eine Toilette für 600 Schülerinnen und Schüler zur Verfügung, zudem gaben 77% der Schülerinnen an, keine Möglichkeit zu haben, ihre Menstruationsprodukte zu wechseln[6].  So können die Schülerinnen entweder die Schule nicht besuchen oder sie setzen sich einem hohen Infektionsrisiko aus, wenn sie keine Möglichkeit haben, ihre Menstruationsprodukte zu wechseln. Doch fehlende sanitäre Einrichtungen sind nicht der einzige Grund für Schulausfälle. Da die sexuelle Aufklärung mangelhaft ist, wird die Periode in einigen Ländern stigmatisiert. Mädchen haben teilweise Angst, in die Schule zu gehen, da man bemerken könnte, dass sie am Menstruieren sind. In Sierra Leone zum Beispiel vermeiden Schülerinnen sich zu melden, damit sie sitzen bleiben können, weil sich mit diesem Verhalten das Risiko von Blutflecken minimiert.[7] 

Fehlende sexuelle Aufklärung führt zu Irrglauben. Vor allem über die Menstruation sind sehr viele Mythen verbreitet. In Ländern wie zum Beispiel Kenia oder Indien wird oft gesagt, man soll weder Pflanzen wässern, Essen kochen, Tiere berühren, Kühe melken oder im gleichen Bett wie jemand anderer schlafen.[8] Durch diese Mythen wird das alltägliche Leben erschwert, und die jungen Frauen müssen sich während fünf Tagen im Monat an besondere Regeln halten. So dürfen In Bolivien Schülerinnen ihre Binden nicht in der Schultoilette wechseln, aus Angst, den Abfalleimer leeren zu müssen, da man glaubt, dies könne zu Krankheiten wie Krebs führen.[9]

Das Recht auf Freiheit und Leben ist eines der wichtigsten Menschenrechte. Durch ein Ritual, das sich «Chaupadi»[10] nennt, brechen einige Teile von Nepal dieses Recht. Während ihrer Periode werden Frauen in behelfsmässige Hütten gesperrt und sind da schwierigsten Bedingungen ausgesetzt. Sie haben keinen Schutz vor dem Wetter und sind stets dem Risiko von Übergriffen durch wilde Tiere oder betrunkenen Männern ausgesetzt.[11] Im Dezember 2016 starben zwei nepalesische Mädchen im Abstand von zwei Wochen. Ihr Tod war eine Folge von Unterkühlung und Sauerstoffmangel, sie hatten ein Feuer gemacht, das sie warmhalten sollte. Im Juli 2017 starb ein weiteres Mädchen in einer Hütte, nachdem sie von einer giftigen Schlange gebissen wurde.[12]

Hesch dini Periodä?

Die Fakten sind hart, aber wahr. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass auch sie von diesem Stigma betroffen sind. Würdest du mit einer Binde in der Hand durch die Stadt laufen? Oder würdest du deinen Lehrer fragen, ob du kurz deinen Tampon wechseln gehen kannst? Die Antwort lautet meistens nein.  Das Rollendenken beginnt bereits beim ersten Sexualkundeunterricht. Mädchen und Jungs werden getrennt, dabei sprechen Mädchen über die Menstruation, während Jungs darüber sprechen, dass sich ihr Körper in nächster Zeit verändern wird. Somit starten sie mit dem Gefühl, dass Sexualität und Menstruation Themen sind, über die nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen werden darf. Mädchen haben Angst davor, dass alles, was «da unten» geschieht, mit Sex und Erwachsenwerden zu tun hat. Jungen Frauen, die ihre Periode bekommen, sagt man, dass sie nun erwachsen werden. Allerdings ist dies eine falsche Aussage, denn mit 12 Jahren ist man immer noch ein Kind an der Grenze zur Pubertät.
Folglich hat die erste Menstruation weder etwas mit dem Erwachsenwerden noch mit Sex zu tun. Es bedeutet nicht, dass man mit der ersten Periode Sex haben sollte oder diese der Anfang zur Sexualität ist. Sexualität ist eine Sache, die sich unabhängig von der Menstruation entwickelt und sollte auch als solche behandelt werden.

Ein Wandel ist im Gange, immer mehr Organisationen kämpfen für gerechten Zugang zu Menstruationsprodukten.  Das Unicef Team in Indonesien veröffentlichte in einem Zwei- in- eins –  Komik. eine Seite für Mädchen, mit hilfreichen Informationen zur Periode. Die andere Seite ist für Jungs bestimmt, damit sie lernen können, was bei der Periode geschieht und wie sie unterstützend für die Frauen in ihrem Umfeld sein können.[13] Die Hilfsorganisation «The Cup» verteilt Menstruationstassen an Mädchen in Kenia, welche keinen Zugang zu Menstruationsprodukten haben. Die Menstruationstasse kann für 10 Jahre ohne Infektionsrisiko gebraucht werden, und die Frauen sind in der Lage auf diese Weise Geld zu sparen.[14] Durch die Varietät in den Lösungsansätzen, haben wir ein breites Spektrum von vielversprechenden Ansätzen. Jeder noch so kleine Schritt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Mit dem Kampf für einen gerechten Zugang zur Menstruationshygiene und die Beseitigung des Stigmas um die Menstruation können wir einen Grundstein für Geschlechtergleichheit und Gerechtigkeit setzen. Die Menstruationsbewegung will die Bildung verbessern und sich in der Politik für eine faire Gesundheitsversorgung einsetzen. Eine stabile Gesundheitsversorgung führt zu mehr Bildung, darauf kann Geschlechtergleichheit und Gerechtigkeit basieren. Es ist wichtig, dass über die Menstruation gesprochen wird und dieses Gespräch nicht nur Geschlechter getrennt geführt wird. Der Anfang muss schon früh gemacht werden. Sexualität und Menstruation sollten nicht in einen direkten Zusammenhang gestellt werden. Um das Stigma zu bekämpfen, ist es wichtig, keine Angst mehr vor Blutflecken oder Wörtern wie Menstruation oder Periode zu haben. Jede menstruierende Frau sollte mit einem Tampon in der Hand durch die Gänge gehen können, ohne dabei Scham zu empfinden.


[1] Weiss-Wolf, Jennifer. 2017. Periods Gone Public. Arcade Publishing. New York. (S.XIII)

[2] Y.Laudien: 3 Mythen und 3 Fakten über die Menstruation.2019. https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/menstruation-maedchen-und-frauen-drei-mythen-und-fakten/193120, gefunden am 20.07.2020

[3] Ebda.

[4] Ebda.

[5] Weiss-Wolf, Jennifer, (S.29)

[6] Ebda.

[7] Dahlqvist, Anna. 2018. It’s Only Blood. Zed Books. London. (S.8)

[7] Weiss-Wolf, Jennifer, (S.28)

[8] Ebda.

[9] Weiss-Wolf, Jennifer, (S.30)

[10] Weiss-Wolf, Jennifer, (S.30)

[11] Watson: Nur weil sie ihre Tage haben. 2020. https://www.watson.ch/wissen/international/343697576-menstruation-nur-weil-sie-ihre-tage-haben, gefunden am 8.3.2020

[12] Weiss-Wolf, Jennifer, (S.30)

[13] Weiss-Wolf, Jennifer (S.56)

[14] Interview mit Camilla Wirseen, geführt über Telefon, geführt von 14:00 bis 14:53, 06.06.2020.

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