FLAWA – Corona Masken aus der Region, für die Region.

Renato Fachinetti (links) und Cedric Hofstetter (rechts) mit der ersten, selbst hergestellten Maskenmaschine. /Bild: Janik Leuenberger

«Masken aus der Schweiz», «Bund kauft Chinesische Maschinen» und «Unabhängigkeit im Maskeneinkauf». So und so ähnlich lasen sich die Schlagzeilen vor den Sommerferien. Doch mittlerweile sind die Medienberichte wieder verstummt und so wollte ich wissen, wie es heute um die Maskenquelle der Schweiz steht, und wie es überhaupt zu dieser kam.

Ein Stück in 5 Akten.

Akt 1: Wie alles begann:

Wir stehen am Anfang der Pandemie. Daniel Koch ist noch ein eher unbekannter Mitarbeiter des BAG und Masken wurden als «nicht notwendig für Privatpersonen» eingestuft. Doch im Hintergrund deckten sich Staaten und Private bereits mit Masken ein, und eine Knappheit war vorhersehbar. Dies bemerkte auch der CEO von Flawa und ging – der Legende nach – nur mit einem «Nastüechli» zum Produktentwickler der Flawa; «Mach mir daraus eine Maske.» Und so war bald darauf die erste Maske von Flawa, eine Universalmaske, bereit zur Produktion.

Akt 2: Ein Exkurs in die Geschichte:

Flawa… Auch schon gehört? Bekannt wurde die Marke durch Medizinprodukte wie «Pflästerli» und Verbandsmaterial. Heute bestehen die Unternehmen Flawa AG, ein auf Medizinprodukte spezialisierter, kleinerer Zweig, und die Flawa Consumer GmbH. Letztere fabriziert heute vor allem Wattepads für verschiedene Marken, Frischesohlen für Febreeze und, seit neustem, auch Masken. Auf den ersten Blick scheint es komisch, dass nicht die Flawa AG Masken herstellt, da sie ja auf Medizinprodukte spezialisiert ist. Doch es ergibt Sinn, denn durch ihre Kontakte und das Mutterunternehmen U.S. Cotton Gruppe kam die Flawa Consumer GmbH überhaupt erst ans Ausgangsmaterial für die Masken.

Die Produktionsstätte mit den Maskenmaschinen aus China sowie denjenigen aus der Schweiz. /Bild: Janik Leuenberger

Akt 3: Die Zeit rennt:

Zuerst musste eine Maschine her: Normalerweise eine langwierige Prozedur, aber da die Flawa noch eigene Ingenieure hat, wurde die erste Maskenmaschine in Rekordzeit fertiggestellt – und sogleich auch in Betrieb genommen. Anfänglich wurde auch versucht, mit anderen Firmen zusammenzuarbeiten. «Wenn ich aber anrufe, wann ich die Teile abholen kann, dann möchte ich nicht diskutieren, ob das in 14 oder 18 Tagen sein wird, sondern ob heute Abend oder erst Morgen. Und das geht nun mal besser innerhalb der Flawa.», so der leitende Ingenieur.

Akt 4: Maschinen aus China:

Mit den eigenen Maschinen kann die Flawa jedoch nur Universalmasken herstellen. Auf der Übersicht kann man erkennen, dass die Universalmaske nicht viel besser als eine Community Maske, also ein nicht zertifiziertes Stück Stoff, ist. Reicht gut aus für den Öffentlichen Verkehr oder einen Einkauf, aber in Einsatzgebieten wie Spitälern braucht man bessere Masken. FFP2, oder in dieser Pandemie auch CPA sind Standards, welche einen Sicheren Umgang mit Corona-Patienten bieten. Und zwei dieser Maschinen hat die Flawa vom Kanton Zürich sowie dem Bund übernommen und in Betrieb gesetzt. Nicht ohne Kinderkrankheiten, und auch bei meinem Besuch, mittlerweile produziert eine dritte CPA-Maschine, war es spürbar: Entwickler standen um die Maschinen, fummelten an der Fertigung und liefen von Büro zu Maschine und wieder zurück. Sind die Masken also doch noch nicht so gut? Doch, aber man sei kontinuierlich an Verbesserungen interessiert. Die Masken hätten momentan ein CPA-Zertifikat, man arbeite aber darauf hin, möglichst bald ein FFP2, oder sogar FFP3 Zertifikat zu erhalten. So der Qualitätsverantwortliche Renato Fachinetti.

Universalmasken (links) und CPA-Masken, beide hergestellt von FLAWA in Flawil. /Bild: Janik Leuenberger

Akt 5: Rückblick und Zukunft:

Nun stehen sie also da: 3 grosse Maskenmaschinen für CPA Masken und 2 Anlagen für Universalmasken. Wir platzen nach der Produktionsführung ins Büro der Ingenieure, die gerade in einem Meeting mit dem CEO sind. Die perfekte Gelegenheit also, um zu fragen, ob der Kauf nicht doch voreilig war. «Mir wöreds wieder mache», so Claude Rieser, CEO der Flawa Consumer GmbH. «Aber nüme mit dä gliichä Maschinen», ergänzen die Ingenieure lachend. Und tatsächlich mussten die Ingenieure zahlreiche Nachtschichten schieben, und das alles nur für die Dauer einer Pandemie? Nein, die Flawa will weiterhin qualitativ hochwertige Masken produzieren und sich als Lieferantin etablieren. Es wäre schade, das ganze Wissen, welches man sich über die letzten Monate aneignete, aufzugeben.

Geschickt war es allemal, auch wenn die üblichen Aufträge der Flawa während der Corona Zeit weniger wurde: Die Flawa konnte seit Beginn der Pandemie knapp 40 temporäre Angestellte. Und zusätzlich kann nun zumindest ein Teil des schweizer Maskenbedarfs gedeckt werden.

Wir werden also sehen, wie lange die Pandemie – und damit die Masken – noch bleiben werden.


Btw, wenn du noch mehr wissen willst, gibt’s hier noch einen ausführlicheren Artikel.

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