"It's Coronatime"

Ein vielleicht nicht ganz so seriöser Blog, wie man erwarten sollte – mit wöchentlichen Updates zur aktuellen Lage.

  • Mythos „Corona“

    11. März 2020

    Etwa 2 Wochen sind vergangen seit das Coronavirus die Kanti Wil erreicht hat. Also zumindest die schleichende Hysterie, die zwar nicht jeden trifft, aber trotzdem nicht unbemerkbar vorbeigeht. Es fängt ja schon beim Eingang an, Plakate zu Schutzmassnahmen, egal, wo man hinschaut. Dann die ersten Stimmen, die durch den Gang hallen. „…Corona…“ Scheint, als wären wir alle mit dem Coronavirus infiziert – jedenfalls auf mentaler Ebene. Oder vielleicht ist alles darauf programmiert, dass wir nur noch Corona hören und sehen können, wohin wir auch gehen. Die Verschwörungstheorien sind weitreichend. Haben die Chinesen den Coronavirus entwickelt, um mit dem Impfstoff – der noch in seiner Anfangsphase steckt – Geld zu machen? Oder war es doch die Handystrahlung, die zum Ausbruch des Virus geführt hat? War der Übeltäter gar Bill Gates? Wie auch immer, das Coronavirus ist nun auch bei uns angekommen. Aber was jetzt? Wird die Kanti geschlossen, sobald jemand von uns infiziert wird? Könnte jeder, der schon auch nur hustet, vom Virus befallen worden sein? Wahrscheinlich stellt sich dann heraus, dass es nur eine leichte Erkältung war. Immerhin waschen sich jetzt alle immer gründlich die Hände, etwas Positives bringt das Virus also doch hervor.

  • Das historische Jahr

    19. März 2020

    Nur etwa eine Woche liegt zurück seit alles irgendwie auf den Kopf gestellt wurde. Eigentlich wollte ich nur einen Artikel darüber verfassen, wie dramatisch die ganze Situation in den Medien dargestellt wird und auf uns übergewandert ist. Scheint, als wüsste man niemals genug. Als das Virus Ende letztes Jahr in China ausgebrochen war, hat es uns doch nicht interessiert. Nicht wirklich. Dann kam 2020; die Zahl schon an sich zeigt schon, dass das DAS Jahr sein würde. Vor allem für solche 4. Klässler*innen wie mich, für die sich bald eine ganz neue Welt eröffnet. Nun, die Welt hat sich eröffnet, aber nicht im Sinne, wie wir es uns vielleicht erhofft hatten. Plötzlich war das Virus in Italien; und bald dann auch bei uns. Aber es war der Freitag, der 13. März, der irgendwie alles veränderte. Ja, Freitag der 13. Für abergläubische Leute wohl ein Sieg: Schulen und Unis geschlossen, und dabei war der Ball erst ins Rollen gekommen. Aber irgendwie ging das gerade ein bisschen schnell, oder nicht? Okay, für manche scheint der grösste Traum in Erfüllung gegangen zu sein, aber wie stellt ihr euch das nun vor? 3 Tage später, Schliessung von Restaurants, Bars, Clubs, Fitnesszentren und was weiss ich. Das öffentliche Leben steht still. 2020 – das Jahr, an das wir uns alle erinnern werden; aber nicht, weil einige von uns die Matura abgeschlossen haben. Wenn wir denn dahin kommen. Zurzeit sind wir nur machtlos. Es fühlt sich an, als hätte die Realität einen Film gedreht, dessen Ende wir nicht kennen. Und irgendwie scheint dieses Ende noch in weiter Ferne zu sein, selbst wenn schon gefühlte Jahre vorbeigegangen sind, seit sich die Welt nicht nur um ein kleines Etwas namens Corona gedreht hat. Eins ist sicher, irgendwann wird auch das vorbeigehen und direkt in die Geschichtsbücher einwandern.

  • Eine neue Normalität

    27. März 2020

    Wir stecken fest, irgendwo zwischen dem Anfang und dem Ende. Wenn wir nur wüssten, wo es aufhört. Wir befinden uns in Zeiten der Unsicherheit, in denen es an Nähe und WC-Papier fehlt. Ich meine, WC-Papier! Kann man den Hamsterkäufern mal sagen, dass keine Apokalypse naht, selbst wenn es sich manchmal so anfühlt? Leere Strassen und Parks, es muss so sein, aber manchmal scheint es wirklich so, als wäre alles Leben ausgestorben. Jedenfalls das der Menschen. Denn die Vögel zwitschern, die Natur blüht – es ist Frühling. Und wir erleben diese Tage stets hinter der Fensterscheibe. Oder hinter dem Computer, der Blick auf die Kamera gerichtet. Dieser ganze Online-Unterricht kann ja ganz schön spassig sein, wenn wieder irgendein Familienmitglied sich bemerkbar macht, meistens jedenfalls. Die Welt steht still, aber unsere Häuser sind voll. Voller Verzweiflung, voller Einsamkeit, aber vielleicht auch voller Gemeinsamkeit. Die Situation ist neu für alle von uns. Gefühlt jeder spricht es aus, oder denkt es sich zumindest. Irgendwie schaffen wir das schon. Ja, schon, aber es ändert trotzdem nichts daran, dass es neu ist, eine ganz neue Routine, falls wir denn die Disziplin dafür aufbringen können, all das zu tun, was von uns verlangt wird. Ja, das ist neu für uns. Wir wissen noch nicht, wie wir damit umgehen sollen, aber wenigstens wissen wir, dass wir immer noch reagieren können. Die Welt steht still, aber wir, wir leben noch. Und wie Alain Berset sagte, das Leben geht zwar langsamer. Aber es geht weiter.

  • Das Leben ist heute.

    1. April 2020

    April, April, doch eigentlich war es März, der machte, was er will. Was kann schon noch passieren? Überrascht wären wir ja nicht, wenn die Apokalypse tatsächlich naht. Vielleicht aber auch nur ein Umschwung der Menschheit. Denn, alles Selbstverständliche, es ist irgendwie da, aber doch weit weg. Die Pausengespräche verlegen sich auf Videokonferenzen, mit wackelnden Bildschirmen und ausgeschalteten Mikrofonen, weil alle kommen und gehen, wann sie wollen, weil jeder zuhause ist, aber uns dort trotzdem etwas fehlt. Weil es immer die gleichen Gesichter sind, die niemals verschwinden, die gleichen Geschichten am Mittagstisch, weil irgendwie nichts mehr passiert, oder weil wir einfach nicht wissen, was passiert. Was passieren wird. So viel geplant, oder zumindest erträumt. So viel stehen geblieben, was eigentlich hätte weitergehen müssen. Und jetzt können wir noch nicht einmal über heute hinausblicken, weil wir das Ende nicht kommen sehen. Wo fängt die Zukunft an, wo hört all das auf, was wir in diesen Tagen unser Leben nennen? Oft redeten wir nur von morgen, denn das war alles, was zählte. Weitergehen, weiterkommen, Meilensteine setzen, die wir nun fallen lassen müssen. Denn es ist heute, mit dem wir umgehen müssen, Tag für Tag, als hinge unsere Existenz davon ab. Vielleicht tut sie das. Weil Menschen sterben und Menschen leiden. Nicht unbedingt Leute wie du und ich, aber es ist Wirklichkeit. An manchen Orten mehr als an anderen. Mehr als hier. Wir können das nicht als selbstverständlich sehen. Schon gar nicht den Alltag, den wir so lang als das Normalste der Welt ansahen. Vielleicht ändert diese aussergewöhnliche Situation etwas. In der Welt, aber vor allem in uns selbst. Die Welt wandelt sich schneller, als wir denken, und siehe da, nichts ist mehr so, wie es einmal war. Also denken wir für einmal nicht an morgen, denn morgen wird sowieso nie das sein, was wir uns vorstellen. Denken wir an heute und leben im Moment, egal, wie lange er noch andauert.

  • Blühende Aussichten

    9. April 2020

    Es sind Frühlingsferien. Vielleicht wären jetzt einige von uns irgendwo, am Strand die Sonne geniessend und cocktailschlürfend oder durch die Stadt [wahrscheinlich Paris] schlendernd, auf der Suche nach dem besten Café. Andere nähmen den nächsten Zug nach Zürich, um H&M-Klamotten zu kaufen, frisch geliefert aus China. [Natürlich gibt es ja auch noch andere Sorten von Mensch, keine Sorge, euch habe ich nicht vergessen.] Dies, liebe Leute, ist unsere frisch-fröhlich globalisierte Welt. Und wir bestimmen ihren Lauf. Der Lauf, der den Virus über kurz oder lang zu uns gebracht hat. In diesen Tagen steht die Welt fast still. Die Globalisierung hat sich quasi selbst ausgeschaltet. Oder so ähnlich, denn es geht trotzdem weiter. Keine Ahnung, ich bin keine Wirtschaftsexpertin, aber was sicher ist: Die Wirtschaft wird starke Konsequenzen des Virus zu spüren bekommen. So auch wir. Wir hatten Pläne oder zumindest Vorstellungen, uns auf etwas gefreut, was wir nun nicht umsetzen können. Die Reise, die Ausflüge, selbst ein Nachmittag unter Freunden. Natürlich ist das blöd, weil uns jetzt etwas fehlt, mit dem wir unsere Zeit füllen können. Aber was können wir denn schon anderes tun, als das Beste daraus zu machen? Uns mehr mit den Menschen auseinandersetzen, die mit uns unter einem Dach leben: Zeit mit ihnen verbringen, Spiele spielen oder sich einfach nur unterhalten. Sicher, die Situation ist unterschiedlich in jeder Familie und nicht immer einfach. Wir können uns auch wieder mehr mit uns selbst beschäftigen, Sport treiben für die Figur im Sommer, den wir hoffentlich noch erleben dürfen. Zeichnen, singen, schreiben oder schreien, lassen wir unsere Gefühle doch raus, irgendwo mitten in der Natur, wo uns niemand hört. Vergessen wir uns selbst und schauen die ganze Staffel „Haus des Geldes“ oder was sonst so aktuell ist, irgendetwas gibt es immer zu schauen oder zu tun. Eine Runde FaceTime via Teams tut’s jetzt auch. Dann fühlen wir uns wenigstens nicht so allein auf dieser Welt. Wir alle müssen durch diese Zeit gehen, gemeinsam. Denn das hier ist kein Krieg, in dem wir gegeneinander [oder für Pasta und WC-Papier] kämpfen. Aber das bedeutet nicht, dass es für alle gleich einfach ist, von Tag zu Tag zu leben. Vielleicht ist das auch eine Möglichkeit – den Menschen zu helfen, wo man kann, denn es gibt einige, die noch weniger tun können als wir. Denn sind wir mal ehrlich, die meisten von uns haben es doch eigentlich gut – wir haben uns so sehr an unseren Lebensstandard gewöhnt, dass wir uns jetzt darüber beklagen können, was uns alles fehlt. Dabei haben wir doch so ziemlich alles, was wir brauchen, oder nicht? Ein Zuhause, das zurzeit mehr ist als nur ein Platz zum Essen und Schlafen [hoffentlich]. Manchmal kann es schwer sein, natürlich, aber vielleicht können wir das Zuhause wieder ein Zuhause sein lassen, uns selbst darin wiederfinden, es umstellen, wenn dieselbe Möbellandschaft öde wird. Eine kurze Flucht in die umliegende Natur, eine Runde um den Block oder anderswo, solange wir zwei Meter voneinander fernbleiben. Diese Abwechslung tut gut in diesen Tagen, die uns wahrscheinlich länger vorkommen als die Zeit zwischen den Herbst- und Weihnachtsferien. Doch es wird vorbeigehen. Die Hoffnung blüht, wie die Blumen in unserem frisch bepflanzten Garten: Wuhan macht die Türen wieder auf, unsere Kurve flacht langsam ab. Sicher, wir stecken zwar noch mittendrin und wie in „Haus des Geldes“ würde der Turning Point erst noch kommen – aber wenn wir es bis hierhin geschafft haben, können wir noch weitergehen, zu Kochprofis werden, unsere Ausdauer trainieren [selbst wenn sich das nicht nur auf den Sport bezieht] und vor allem nach vorne schauen: der Sommer kommt bestimmt.

  • Am Ende kommt ein Anfang.

    17. April 2020

    Liebe Abschlussklassen von 2021-2023

    Es wird noch lange dauern, bis der Tag kommt, an dem ihr sagen könnt, dass die Normalität eingekehrt ist. Vielleicht ist es der 8. Juni, wer weiss. Bis dahin dauert es aber noch eine ganze Weile. Bis ihr diese Zeit vergessen könnt… wahrscheinlich nie. Vielleicht war es eure beste Zeit, ich meine, wer von euch wird es nicht vermissen, morgens nicht auf den Bus, Zug oder Fuss zu rennen? Aber mal ehrlich: Wer von euch mag diesen Online-Unterricht wirklich? Habt ihr euch das wirklich so vorgestellt, stundenlang vor dem Computer zu sitzen ohne einen Banknachbarn, den ihr mal anstupsen könnt, um auch nur Smalltalk zu führen? Werdet ihr nicht auch ein wenig verrückt, weil die Zeit stillsteht aber ihr trotzdem rennen müsst, um alles zum rechten Zeitpunkt erledigt zu haben? Ihr 3. Klässler*innen habt es wohl schon schwer mit dem berüchtigten strengsten Jahr, aber immerhin habt ihr keine Vormatura zu bewältigen, also geniesst eure Sommerferien, wenn ihr denn könnt. Ihr 1. Klässler*innen bleibt (un)glücklicherweise von der Farbenschlacht& Co. des letzten Schultages der 4. Klassen verschont. Ihr kommt wohl erst nächstes Jahr in den Genuss ihrer Euphorie. Mal sehen, wie dieser Coronafilm noch weitergeht. Aber egal, wie ihr diese Situation findet: Den ganz normalen Schulalltag werdet ihr am 8. Juni wohl garantiert mit anderen Augen sehen.

    Liebe Abschlussklassen von 2020

    Ich würde ja sagen «School’s out forever» und das seit Freitag, dem 13. März, aber, fertig sind wir ja trotzdem nicht. Seit ungefähr 30 Tagen wurde unser Leben auf den Kopf gestellt, und mir scheint, als wäre die Welt immer noch ein wenig verkehrt. Und bis sie sich wieder einigermassen normal dreht [aber was ist denn schon normal?], ist es für uns bereits zu spät. Das klingt jetzt zwar ein wenig düster, aber irgendwie ist es doch traurig, nicht? Seit fast 4 Jahren warten wir auf diesen Moment, drei Mal konnten wir ein wenig von unserer Zukunft erhaschen, die uns ebenso weggenommen wurde. Auch wieder dramatisch, aber hattet ihr nicht auch diese Vorfreude? Diese letzten Schultage, mit der Gewissheit, das war es also. Diese Verkleidungstage, die besser sind als jedes Schauspiel, weil jeder daran teilhat. Selbst für alle anderen Stufen ein Genuss, zuzusehen, wie wir uns freudig lächerlich machen – zum letzten Mal. Wie wir durch die Gänge tanzen, während Queen’s «I want to break free» die ganze Schule wachrüttelt. Das eine Mal, in der wir die volle Macht in den Händen halten – oder zumindest Farbe. Für einen Moment hätten wir uns wie die König*innen der Welt fühlen können. 4 Jahre lang sind wir diese Leiter hochgeklettert, um dann für diese letzten Tage die unglaubliche Aussicht zu geniessen. Und jetzt, kurz bevor wir angekommen sind, können wir nicht mehr weitergehen, weil unsere Reise bereits zu Ende ist. Wofür war das alles, dieser 4-jährige Kampf auf dieser Leiter? Für «Hakuna matata – Matura geschafft»? Aber vielleicht endet es trotzdem mit Hakuna matura – keine Matura. Alle anderen wissen, was kommt, nur wir sitzen noch im Dunkeln unserer Lernkammer, die wir uns womöglich umsonst eingerichtet haben. Aber warten wir’s ab, vielleicht kommt unsere Golden Hour doch noch.

  • Ungeduld in der Unsicherheit

    25. April 2020

    Woche 7 der Ausnahmesituation. Langsam, aber sicher wird es mühsam. Klar, wir sind auf dem Weg zurück, wenn wir auch noch nicht viel davon wahrnehmen können. Diese ganze Medienflut, in der alle 5 Minuten etwas Neues passiert – von Trumps Aufruf, Desinfektionsmittel zu spritzen bis zu diversen Krisensituationen in aller Welt – macht mich müde. Medienmüde. Ist das denn überhaupt ein Wort? Egal, in Zeiten von Corona entstehen diverse neue Wörter, oder Wörter, die wir bis anhin einfach nicht brauchten. Diese Medienmüdigkeit ist jedenfalls mein gefühlter Dauerzustand. Ich komme zwar nicht davon los, all Viertelstunde SRF News zu aktualisieren, um zu schauen, wo wir stehen. Es wird mir natürlich nicht anzeigen, wie lange diese Corona-Wanderung noch geht, aber das hindert mich trotzdem nicht daran, mich wie ein kleines Kind aufzuführen, das jede 5. Minute fragt: «Wann sind wir endlich da?» Nur, was ist da? Was ist denn das Ziel, auf das wir seit Wochen warten? Ist es die Normalität, der Alltag, den wir noch nie vermisst haben, bis er uns weggenommen wurde? Als die Medien noch einigermassen normal berichteten oder wir uns ganz simpel nicht dafür interessiert haben. Die Sonne schien für uns, selbst wenn es an anderen Orten in Strömen regnete. Uns haben die Flutwellen der Medien schlicht nicht getroffen – jedenfalls nicht so sehr, wie jetzt. Die Sonne scheint zwar noch, aber seit einigen Tagen brütet die Hitze nur, die uns immer ungeduldiger macht: Maturaprüfungen oder nicht? Die schriftliche LAP: Abgesagt. Vormatura: Abgesagt. Dann kommen Bern und Zürich: Maturaprüfungen abgesagt – selbst wenn der Bundesrat das letzte Wort hat. Und St. Gallen? Noch ist nichts definitiv entschieden, aber genau diese Ungewissheit ist es, was diese ewige Corona-Wanderung unerträglich macht. Das EDK ruft dazu auf, die Kantone selbst entscheiden zu lassen. Wie war das noch gleich mit einem einheitlichen Entscheid? Der Kantönligeist geht so weit, dass eine Petition gestartet wurde, um neben anderen Gründen wie unsere Gesundheit zu schützen und unsere Situation zu berücksichtigen, selbst für die Einheit zu sorgen – oder sie jedenfalls zu fordern. Natürlich kann man dafür und dagegen argumentieren, die Schwierigkeiten des Online-Unterrichts aufzählen, die je nach Person variieren. Das Prüfungsszenario mit den Hygienemassnahmen pessimistisch oder optimistisch aufzeigen. Und die ewig anhaltende Hoffnung auf ein kleines Stückchen Normalität nicht aufgeben: Das kann es doch jetzt nicht einfach gewesen sein, oder? Natürlich wird der Bundesrat das letzte Wort haben – aber ich habe auch eines: Coronamatura1. Egal, ob wir die Prüfungen schreiben, oder nicht. Letztendlich kommt dann unser Moment – wahrscheinlich schleichend und gar nicht so gross – in dem wir die Matura bestanden haben – jedenfalls die von Corona.

    1Coronamatura [Substantiv, feminin] def. Die Reifeprüfung, sich durch die Ausnahmesituation zu kämpfen, die das Virus Covid-19 ausgelöst hat.

  • Wie geht es uns denn?

    4. Mai 2020

    Erinnert ihr euch an die guten alten Zeiten, als Corona nichts anderes war als eine Biermarke? Gefühlt liegen sie schon tausende Kilometer zurück. Schon vor 2 Monaten hat Corona uns durch die Gänge gejagt, bevor es wirklich da war. Wir waren damals schon gestresst, müde, manchmal oder öfters so ziemlich unmotiviert – eben der ganz normale Schulwahnsinn. Jetzt werde ich nur noch wahnsinnig. 4 Wochen fühlen sich an wie 4 Jahre, mein Zuhause ist nun auch Klassenzimmer, Mensa und Sporthalle zugleich. Aber manchmal kein Zuhause mehr. «Zuhause» ist einfach nicht das Gleiche, wenn man nach einem stressigen Tag in der Schule nach Hause kommt. Stattdessen hüpft man vom Stuhl 3 Schritte nach rechts ins Bett, wenn man denn überhaupt die Motivation hatte, am Tisch zu arbeiten. Dann gibt es Tage, wo keine Möglichkeit besteht, irgendwie rauszukommen, entweder weil Erschöpfung den ganzen Raum erfüllt, dass es eigentlich ganz okay ist, bereits im Bett zu liegen oder weil es draussen einfach zu kalt ist, um auch nur einen Schritt herauszuwagen. In jenen Tagen ist dieser, auf ein paar Quadratmeter eingeengte Stress schon fast erstickend. Und wenn das schon nicht schwer genug wiegt, erwischen uns Wellen von Lustlosigkeit. Klar, den Laptop einfach zuklappen und so tun, als wäre da nicht noch mehr, dass man tun müsste, ist leicht. Es gibt ja schlussendlich niemanden, der mir sagt, was ich tun soll. Aber wahrscheinlich ist gerade das das Problem.

    Da schlittert man vielleicht tagelang auf der Welle der Übermotivation [am Ende ist es doch nur ein Traum], will in einer Woche 10 Aufsätze schreiben, 8 neue Rezepte ausprobieren und die 30-Tage-Workout-Challenge meistern und nicht zu vergessen ein ganz neues Hobby ausüben. Schön wars gewesen, bis die Verzweiflung an der Oberfläche brodelt, die Flamme, genannt «Motivation» zum Ausbrennen bringt und schlussendlich in den Fluten untergeht. Vielleicht ist es ein Untergang mitten im Erfolg, in hoffnungsvoller Erwartung auf eine weitere Welle. Die bleibt aber meistens aus.

    Vom Überschwung geht es geradezu in die Tiefen der Lustlosigkeit. Zwischendrin steckt man vielleicht noch im Automodus und tut, was man muss, bis man realisiert, dass man das alles gar nicht will. Diese langweilige und ermüdende Monotonie, tagein, tagaus. Laptop auf, Laptop zu. Schlafzimmer, Badezimmer, Küche, Esszimmer, Schlafzimmer. Und wieder von vorne. Hin, zurück. In den Garten, um den Block, mit Glück zum Supermarkt oder noch weiter weg. In diesen Tagen eine halbe Weltreise, durch eine Welt, die wir manchmal nicht wiedererkennen, um wieder «nach Hause» zu kommen. Laptop ein. Die Prioritäten liegen woanders: Im Bett. Die Selbstkontrolle landet am Tiefpunkt und es endet schon vor Mittagszeit auf Netflix. Konsequenzen? Egal.

    Den Weg zurück in die Selbstverantwortung finden ist hart. Vielleicht lässt sie uns erwachen und irgendwann mal erwachsen werden, aber jetzt mal ehrlich, wollten wir das denn? Uns stetig sorgen und Gedanken darüber machen, was wir nicht kontrollieren können, sodass wir alles Mögliche versuchen, um unsere verbleibende Kontrolle zu wahren? An jedem einzelnen Tag wenigstens etwas auf die Reihe zu bekommen? Aber manchmal ist selbst das schon zu viel verlangt. Wir müssen immer noch mehr tun, aber können nicht mehr. Wir ertrinken in der hoffnungslosen Verzweiflung. Wann endet das alles? Ach, dieser ganz normale Schulwahnsinn, manchmal kann der einem wirklich fehlen!

  • Die perfekte Welle

    12. Mai 2020

    Corona (2020) Spielfilm                                                                                                Mitwirkende: Spezies Humanum                                                                         Genres: Drama, Thriller, Dokumentation [Vielleicht auch Science-Fiction. Aber von der Zukunft wollen wir nicht wirklich reden.]                          Spieldauer: Noch unbekannt

    Seit ein paar Monaten sorgt ein Virus, genannt Covid19, für eine verkehrte Welt. Zuerst nur in China stationiert, legte es nach einigen Wochen bald Frankreich, Italien und Spanien lahm, bald weitere Teile Europas und schlussendlich die USA, denn das Beste, das Grösste, kommt berechtigterweise zum Schluss. Die Hauptagierenden in der Vorapokalypse und damit im Kritikregen stehend sind die Politiker*innen und Staatsoberhaupte aller Welt. Mal reagieren sie zu langsam, und dann übertreiben sie es wieder mit den Massnahmen, um die Menschheit vor sich selbst zu retten. «Uns trifft’s doch nicht.» und «Dieses Virus ist doch nur Angstmacherei.» schreit es von allen Seiten. Fake-News sind allgegenwärtig. Welches Staatsoberhaupt ist infiziert, welches schon tot? Im Trend sind seit Neustem auch vermehrt Proteste gegen den Schutz der Menschheit, natürlich nicht mit dem empfohlenen 2-Meter-Abstand, aber die Gegner der neu berufstätigen Weltenretter [def. Leute, die versuchen, die bestmögliche Lösung für die Gesamtbevölkerung zu finden, um die Vorapokalypse aufrechtzuerhalten.] wollen schliesslich von Glaubwürdigkeit zeugen. In Zeiten der Solidarität kommt es zu Meinungsverschiedenheiten: Wo die Eigenverantwortung schon immer eine Frage der Perspektive war, steht nun die Gesundheit gegen das Recht auf Freiheit. Langsam aber beruhigt sich die Lage, das Leben draussen nimmt wieder einen schnelleren Gang: Ein Stück der lang ersehnten Normalität kehrt ein.

    [!mögliche Spoilerwarnung!]

    Das wäre der Moment, in dem die Phase der Auflösung beginnen würde, aber ist das wirklich schon das Ende dieses Dramas? Es wäre den Charakteren zu gönnen, nachdem sie so lange ausgeharrt haben. Bis hierhin hat die Mehrheit der Menschheit es geschafft, die Welle gemeistert. Aber vielleicht ist das nicht einfach der Beginn des Abspanns, vielleicht ist das erst der erste Teil einer langen Filmserie. Nach der ersten Welle folgt bekanntlich eine zweite. Ist es Hoffnung auf eine Zukunft, in der Spezies Humanum schwimmt oder doch die Angst, in der sie zu versinken drohen? Was, wenn es nie wieder so sein wird, wie es einmal war? Was, wenn die solide Normalität nicht mehr als eine schwammige Erinnerung bleibt? Es gibt keine perfekte Welle, die all das wieder anschwemmt, was einmal verloren gegangen war. Aber doch schwindet die Hoffnung nicht komplett: Was, wenn die Zukunft eine Welle der neuen, besseren Normalität mit sich bringt? Doch nicht alle der Spezies Humanum sind sich dessen einig. Die Mehrheit hält sich trotz Angst noch über Wasser, um die versinkende Normalität möglichst lange festzuhalten. Den universalen Gedanken lässt sie trotzdem nicht los. «Was, wenn man die Wellen nicht aufhalten kann? Wenn diese Vorapokalypse in eine tatsächliche Apokalypse umschlägt?» Die Apokalypse der Menschheit, aus der keine Zombies hervorgehen, sondern Individuen, die anstatt aneinander an zweimeterlangen Stöcken kleben und einen ständigen Maskenball aufführen. Am Ende fallen die Masken und wenn es ein Happyend werden sollte, kommt die Wahrheit ans Licht und ertränkt die von Veränderung geprägte Zukunft im ewigen Sonnenschein. Oder führt der Maskenfall zur erneuten bedrohlichen Dunkelheit und somit zur Überflutung der restlichen Menschheit?

    Aber dieses Drama ist trotz allem auch eine Dokumentation. Die letzten Monate waren keine perfekte Inszenierung eines Bestsellers, sondern die harte [oder eigentlich mittlerweile ganz normale] Realität.

  • Grenzenlos

    20. Mai

    Hier und da sorgen die Wiedereröffnungen von Restaurants und Detailhandel für einen Augenblick der Realität, wie wir sie kannten. Aber allem voraus gehen die Menschenansammlungen, als wäre es nie anders gewesen: Die Expansion des guten alten Alltags geht weiter. Zu weit? Die Auflösung des Grenzzauns lässt die eingesperrten Menschen wieder in ihren scheinbar kostbarsten Schatz springen: Freiheit – oder in die Arme der anderen Nation. Trotzdem sind die Grenzen noch abgeschlossen oder durch Plexiglasscheiben gesetzt. Einzig die Verschwörungstheorien [und Trumps Kritik an allem ausser seinem geliebten «America First»] bleiben grenzenlos und wandeln mit den Menschenansammlungen durch die Strassen. Es bleiben aber noch ein paar Wochen, bis wir wieder in die weite Ferne hinausspazieren können wie die König*innen der Welt, denn zurzeit scheint Corona noch die einzige herrschende Königin zu sein [Sorry Lisbeth und Co.]. Bald werden uns alle Türen mit der Fülle von Möglichkeiten wieder offenstehen, dem Ausbruch in die Freiheit keine Grenzen mehr gesetzt. Aber jetzt mal ehrlich: Diese ganze Fast-Lockdown-Geschichte hatte doch irgendwo seine guten Seiten, oder nicht? Wir haben uns vielleicht verkrochen, aber die Welt da draussen ist zu einem neuen Leben erwacht. Die Natur, frisch erblüht, manchmal wirkte diese friedliche Stille wie eine Idylle. Der Himmel, blauer als jemals zuvor, falls das überhaupt möglich ist. Und wir? Naja. Tage des Grauens und graue Tage, aber irgendwo auch Tage der kreativen Entfaltung, die sich natürlich in Grenzen hielt, weil wir uns vielmehr an die Situation angepasst haben. Und so endet auch dieses Kapitel für die Maturanden in spe: Angepasst wie ein Chamäleon an seine Umgebung. Zu Beginn haben wir uns noch als Clowns verkleidet, in der Hoffnung, dass etwas Aussergewöhnliches geschehen würde, damit die ausserordentliche Lage rechtzeitig in die normale umschlägt. Irgendwann ist uns wahrscheinlich klar geworden, dass unsere Vorstellungen von einem unvergesslichen Abschluss wie alle anderen ihn vor uns hatten, vollständig begrenzt werden. Er ist zwar immer noch unvergesslich, aber mit einem einzigartigen Ende. Aber nur weil es anders endet als wir es uns vier Jahre lang ausgemalt haben, nimmt es nicht die Intensität der Erinnerungen, getunkt in kräftigen Farben, die nun an uns kleben bleiben, anstatt an dem gesamten Resten der Kanti, der noch etwas Farbe vertragen könnte. Wir haben unsere Spuren hinterlassen, ohne zu wissen, wo der Weg aufgehört hat. Wir haben die Welt namens Kanti mit unseren Namen1 geprägt, umgekehrt hat die Kanti uns mit Farben, ob grau oder blau, bekleckert. Oder wir habe uns eben einfach nur unscheinbar durchgemogelt. Wahnsinn. AK 20/20 – mit Abstand die Besten. Der finale Countdown, bis wir endlich ausbrechen können, wartet aber noch.

    1Namen auch alias Kunstwerke, Maturaarbeiten, Saat und dessen Ernte, was auch immer, vielleicht findet man in hundert Jahren auch unsere Fussabdrücke.

  • Prägende Zeiten

    1. Juni

    Das wars dann wohl. Nach Monaten voller Ungewissheit, was der morgige Tag mit sich bringt, scheint die Welt wieder klar zu werden, wenn auch ein wenig verklärt. Vielleicht wegen den neu gebildeten, aber alt bekannten Kondensstreifen, die den reinen blauen Himmel mit weissen Fäden durchziehen. Wohin führt das Ganze? Zurück, woher wir gekommen sind oder ist es an der Zeit, umzudenken und die Fäden umzuschwenken? Die Welt in der Ära nach Corona könnte eine andere sein. Denn diese ungewöhnlichen Zeiten der letzten Monate haben mehr als nur eine Kondensspur in unseren Köpfen hinterlassen.

    Da sind Verschwörungstheorien und Fake-News, die plötzlich zum alltäglichen Small-Talk gehörten. Schlussendlich verhedderten wir uns so sehr darin, dass wir nicht mehr wussten, was wir glauben sollten. So stürzen wir uns eben so tief in jede Ecke der Medienwelt, dass uns niemand mehr vorschreiben kann, wir seien nicht richtig informiert. Oder eben auch gerade andersherum und vielleicht glauben wir am besten gar nichts, indem wir einfach mal vergessen, dass die Welt gerade weit entfernt von dem Normal ist, das wir bisher normal nannten.

    Denn da sind auch Spuren einer Psyche geblieben, die aus dem gewohnten Alltag herausgerissen wurde und sich der alltäglichen Unsicherheit anpassen musste, ohne zu wissen, wo das alles endet. Um ehrlich zu sein, das wussten wir doch nie. Aber vielleicht waren wir uns einfach zu sehr daran gewohnt, dass alles etwa so kommt, wie wir es eigentlich erwarten würden. Natürlich gab es schon vorher ein paar Schwankungen in der pfeilgeraden Spur, aber diese Abweichungen gehörten irgendwie zum Alltag dazu. Doch das war jetzt einfach nicht mehr normal. Das Gewohnte ist fragil und trotz Einschränkungen der Mobilität mussten wir flexibel bleiben, denn manchmal ist diese Welt unberechenbar. Für einige war es wahrscheinlich verdammt schwer, sich einzugewöhnen, aber hey, es ist okay, wenn es nicht okay ist. Jeder Mensch hat mit anderen Umständen zu kämpfen und reagiert folglich unterschiedlich auf die Unsicherheit, ob durch Hamsterkäufe oder Massenproteste, schlussendlich sind wir doch alle ein Teil dieser turbulenten Welt.

    Diese turbulente Welt hat so auch ihre Tücken und besonders in Zeiten wie dieser wird einem bewusst, wie unterschiedlich sie doch ist. Ob nun innerhalb der Landesgrenzen, wo einige sich mehr um ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage sorgen als andere, welche wiederum nichts anderes als ihre überlebenswichtige Gesundheit im Kopf haben. Oder eben auch über die ganzen Kontinente hinweg, wo das gleiche, kleine Etwas eine mächtige Wirkung zeigt und darüber hinaus ungleiche Konsequenzen, je nach System oder Bevölkerungsgruppen, folgen lässt. Nicht zu schweigen darüber, dass auch schon ohne Corona vieles in dieser Welt schiefgelaufen ist. Verglichen dazu konnten wir uns wohl eher glücklich schätzen. Natürlich ist es eine Frage der Perspektive, ob wir uns nun darüber beklagten, dass wir nicht shoppen, nicht reisen, nicht unter Menschenmengen sein konnten, und was weiss ich. Oder ob wir dankbar dafür waren, dass wir dadurch sparen und andere Möglichkeiten entdecken konnten – denn Corona brachte auch Gutes, wie Bewegungen der Solidarität, mit sich.

    Was wir nun noch mit uns tragen und uns weiter daran erinnern, dass wir noch nicht am Ziel sind [wo auch immer es hinführt], sind die noch anhaltenden Massnahmen, wie die Masken, die uns zwar die frische Luft zum Atmen nimmt, aber uns quasi das Leben bewahrt. Oder die soziale Distanz, die trotz allem Solidarität als Gemeinsamkeit in der Einsamkeit hervorbrachte – und heutzutage wahrscheinlich ein wenig unterschätzt wird. Die Videokonferenzen bleiben in lebhafter Erinnerung, auch wenn sie eigentlich mehr ein Telefonat waren, das man nie führen wollte. Zu guter Letzt hat Corona uns gelehrt, falls denn Hygiene vorher ein eher unscheinbares Thema gewesen war, immer schön die Hände zu waschen.

    Langsam spielt die Titelmusik ein. Der Abspann läuft. Der Film ist vorbei.         – «Coronatime» out [hoffentlich]

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